Text von Stefan Roth

Geschichte GETU Waldstatt

Auf die Abendunterhaltung 1990 wurde mit den ältesten Jugendrieglern, die eigentlich ab dem Sommer altershalber aus der Jugi austraten, eine Nummer einstudiert. Da ein Training allein nicht genügte, begannen die jungen Turner auch ab und zu am Sonntag zu turnen. Es war auch bitter nötig, denn die Saltos und Überschläge waren anfangs ziemlich halsbrecherisch zum Anschauen.
Doch die Mühe lohnte sich, denn den Zuschauern gefiel das Dargebotene sehr gut.

Nach diesem Auftritt wurde der Wunsch laut, das bereits Erlernte noch ein wenig zu vertiefen. Für den damaligen (und auch noch gegenwärtigen) Leiter war der Sonntag die einzige Möglichkeit zu trainieren und auch die Halle war nur noch an diesem Tag frei. Von da an und bis zum heutigen Tag trainiert Getu Waldstatt praktisch jeden Sonntagabend von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr, häufig sogar auch während den Ferien. Im Laufe der 25 Jahre sind dann noch der Dienstag- und Freitagabend dazugekommen.

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Die Jugend turnt schon seit über hundert Jahren unter dem Dach des Turnvereins Waldstatt. Zuerst waren Knaben und Mädchen lange separat in den Trainings. Nach dem Zusammenschluss von Frauen und Männern in einen einzigen Appenzeller Kantonalverband, wurden ab Mitte der 1990er Jahre immer mehr Wettkämpfe für Mädchen und Knaben gemeinsam angeboten. 1997 schlossen sich in Waldstatt die Knaben- und Mädchenriege zur Jugi Waldstatt zusammen. 1998 wurde auch Getu Waldstatt offiziell dem Turnverein Waldstatt angegliedert

Frühlingsmeisterschaften Geräteturnen

Spezielle Geräte an Abendunterhaltungen haben eine lange Tradition bei Getu Waldstatt. Oft sind diese Turnutensilien Eigenfabrikate mit denen man allerhand anstellen kann. Mittlerweile präsentierten die Geräteturnerinnen und Turner im Laufe der vergangenen 25 Jahre schon an die 28 verschiedene Gerätschaften dem Publikum.

Turnunterhaltung

Rhönrad

An einem kantonalen Leiterkurs 1999 wurde dieses komische Gerät mit dem unlogischen Namen Rhönrad angeboten. Priska und Rougli (die sich damals noch sehr unbekannt waren) hatten grosse Freude an der Schupperlektion und danach blaue Flecken. Ob das allenfalls etwas für die nächste Turnerunterhaltung von 2000 wäre? Kurz entschlossen meldeten sich beide (sich damals schon sehr bekannt) für einen Grundkurs an und mieteten anschliessend ein Quartett solcher Räder.
Die Begeisterung des Gerätes ist für einige Turnerinnen bis heute geblieben, auch manche Narbe! Mittlerweile konnten an Schweizermeisterschaften einige Medaillen und sogar zweimal der Meistertitel im Paarturnen nach Waldstatt geholt werden.

Das Vereinswettkampfteam der Rhönradturnerinnen von Getu Waldstatt trainiert schon seit einigen Jahren regelmässig Vereinsvorführungen und nimmt damit jeweils an Turnfesten und auch an den Schweizermeisterschaften im Vereinsturnen teil. 2016 Jahr erturnte das Team zum zweiten Mal den Schweizermeistertitel! Wir sind alle sehr stolz auf unsere «Schweizermeisterschaft-Girls».

Vertikaltuch

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Als 2006 zum ersten Mal an einer Turnerunterhaltung am Vertikaltuch geturnt wurde, verwendeten die Artistinnen noch Uniformstoff. Ein Jahr später traten die jungen Damen vor der Turnelite an der Jubiläums-Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Turnverbandes anlässlich seines 175-jährigen Bestehens auf. Sogar der anwesende Bundesrat war von der Aufführung hell begeistert. Die Freude am Vertikaltuch zog sich weiter und an der Weltgymnaestrada 2011 turnten die Waldstätter zusammen mit einer befreundeten Riege an insgesamt acht, mittlerweile professionellen, Tüchern zweimal vor mehr als 5000 Zuschauern.

 

Zirkus GYMtasia

 

Zirkus GYMtasia

«Einen Zirkus möchtet ihr organisieren? In einem Viermastzelt? Ihr spinnt doch!»
«Ja, das tun wir schon lange!», ist die prompte Antwort darauf, denn was singt doch die deutsche Popgruppe Pur in ihrem Lied Abenteuerland? «Trau dich nur zu spinnen, es liegt in deiner Hand!» Doch so ein grosses Projekt liegt nicht mehr alleine in den Händen von einem oder zwei Träumern, dazu sind sehr viele Hände nötig.

«Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit.» (Friedensreich Hundertwasser).

Zum Glück fanden wir schnell weitere Träumer, die sich für unser Projekt begeistern liessen. Bei den Kindern war das keine so schwierige Aufgabe, denn wer träumt schon nicht davon, einmal in einem Zirkus aufzutreten! Doch wie soll denn dieser Zirkus heissen? «Priruschlikus», «Getuwaldi» oder gar Zirkus «Saltobombolo»? Der Fantasie der Kinder waren keine Grenzen gesetzt. Doch wie wäre es mit Zirkus «GYMtasia» (sprich. Tschimtasia)? Ja, dieser Name beinhaltet das, was wir uns unter unsrem Zirkus vorstellen, nämlich Gymnastik (Turnen) und Fantasie.

Dank

Herzlichen Dank an alle, die mit uns an das «Unmögliche» geglaubt haben, die uns finanziell und oder auch moralisch unterstützt haben! Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn einem «Spinner und Träumer» geglaubt wird und er dadurch ein Wahnsinnsprojekt umsetzten kann. Sehr viel Geduld und teilweise Verhandlungsgeschick war vonnöten, aber es hat sehr viel Spass gemacht, bis alles soweit war. An mehreren OK-Sitzungen wurde über Becher, Tischtücher, Feuerlöscher, Werbetafeln und finanzielle Anschaffungen diskutiert, die Helferpläne angepasst und wieder abgeändert, bis alles seine Richtigkeit hatte.

Der Traum von GYMtasia wurde Wirklichkeit, da ganz viele mitgeträumt haben. All diesen Träumern gehört unser grösstmögliches Dankeschön, sei es den Gönnern, Sponsoren, Helfern, Teilnehmern und Zuschauern.

Wir wünschen allen beste Erinnerungen an die vielen strahlenden Kindergesichter und ab und zu einen Sprung zurück in die Kinderzeit, wo Träumen noch einfacher ist.

                                                                        

10 Jahre Getu Waldstatt 08.12.2000

Facts und Anderes

Schon in den Jahren 1987-1990 wurde vermehrt in der Jugi Geräteturnen gepflegt. So starteten auch einige an den kantonalen Wettkämpfen, doch ein regelmässiges Training fand nicht statt.

Auf die AUH 1990 wurde mit den ältesten Jugendrieglern, die eigentlich schon zum Teil in den Turnverein übergetreten waren, eine Nummer einstudiert. Da ein Training allein nicht genügte, begann man auch ab und zu am Sonntag zu Turnen. Es auch nötig, wie der anschliessende Film zeigt. Mit dieser Nummer hatten wir erstaunlicherweise viel Erfolg, obwohl der Leiter an der Hauptprobe von verschiedenen Leiterkollegen scharf kritisiert wurde.

Nach der AUH wurde der Wunsch laut das bereits Erlernte noch ein wenig zu vertiefen. Aber der Oberguru musste im Februar 91 ins Militär einrücken, und so konnte nur noch am Sonntagabend von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr trainiert werden. Der damalige TV Präsident Walter Tanner war besorgt, dass wir in die Halle durften und als Gegenleistung fabrizierte ich Werbetafeln für den Maskenball. Doch schon nach der ersten Turnstunde mussten wir unseren Abwart Herrn Züst beruhigen, denn er hat gesehen, wie wir Schuhe in der Halle herumwarfen. Es waren so blaue Strandschlarpen, aber was soll’s. Es gab dann ab und zu noch weitere kleine Differenzen mit ihm.

In den ersten Jahren wurden genaue Zeitpläne erstellt, wer das Einturnen macht und welche Gruppe an welchem Gerät turnt. Zusammen mit Schönengrund und Stein bildeten wir eine Regionale Trainingsgemeinschaft für Geräteturner.

Unsere Erfolge an Wettkämpfen waren sehr bescheiden. Konnten wir einmal einen ersten Rang feiern, dann nur, weil in dieser Kategorie nur Waldstätter starteten. Das hielt uns aber nicht davon ab, einen eigenen Trainer und Dress anzuschaffen, was den Verantwortlichen des Turnvereins nicht sehr gefiel.

Leider konnte der Leiter in den Anfängen nur männliche Turner motivieren, was sich dann aber auf die AUH 1992 änderte. Mit Schleuderbrett und Federboden wirbelten wir durch die Luft. Vom Turnverein wurden jedoch sofort Stimmen laut, im Geräteturnen seien Personen, die nicht im Turnverein Mitglieder sind, diese dürften nicht an der Unterhaltung mitmachen. Nach einer kurzen, hitzigen Aussprache mit dem verantwortlichen Leiter, wurde das Problem dann gelöst.

Zwei Jahre später turnte wieder ein reines Männerteam am Reck. „Reck bist du wahnsinnig, wer übernimmt die Verantwortung?“ und so weiter war der Tenor unter anderen Leitern. Trotz diesen massiven Einschüchterungsversuchen gab der damals noch junge Leiter nicht auf und schaffte das scheinbar unmögliche mit einer gewaltigen Konstruktion unter der Bühne. Das war übrigens das letzte mal, dass eine derartige Idee so in Frage gestellt wurde. Von nun an kam höchstens noch die Frage:“ Wie willst du das machen?“ Doch die Antwort lautete immer:“ Lass das meine Sorge sein, das geht dann schon irgendwie.“ und so war und ist es bis heute.

Damit in der Riege wieder etwas frischer Wind blies, wurde das Eintrittsalter auf 13 Jahre gesenkt. Schon damals waren Leiter knapp, so war es auch nicht möglich noch jüngere Turner aufzunehmen.

An der AUH 1996 zeigten 11 Turnerinnen und Turner am Stufenbarren, Reck, Barren und Boden eine originelle Übung im neuen Dress.

Das Wettkampfglück war uns weiterhin nicht sehr hold, trotzdem wurde der Trainer nicht entlassen. Mit verschiedenen Leiterinnen wurde versucht, den weiblichen Mitgliedern eine solide Grundlage zu geben, doch entweder wurden sie von den Turnerinnen nicht hinausgeekelt, oder der Leiter trennte sich wieder von ihr. Zum Glück dachten einige manchmal.

Um den Wettkampferfolg endlich zu erreichen, wurde das Eintrittsalter wieder einmal gesenkt, so das auch 9 jährige ins Training durften. Sogar auswärtige starteten neu unter unserem Namen. So erreichten wir doch plötzlich vereinzelte Podestplätze.

Mit einer stolzen Zahl von 28 Turnerinnen und Turnern nahmen wir die AUH 1998 in Angriff. Wieder einmal war Reck an der Reihe, nur diesmal 4 statt nur eine Stange und ein absolutes Novum: Schaukelringe auf der Bühne. Baulich war dies eine kleine Herausforderung, doch pünktlich auf die Hauptprobe waren alle Geräte installiert.

Durch die Fusion der Damenriege und des Turnvereins 1998, wurde das Geräteturnen offiziell dem Turnverein angeschlossen und erhielt den gleichen Status wie die Jugendriege. Ebenfalls wurde neu auch am Freitag und nicht nur am Sonntagabend geturnt. Sogar das Leiterproblem wurde dank Mithilfe von Eltern stark entschärft.

Neuland betraten wir mit einer Gruppenvorführung von 18 Kindern an den kantonalen Vereinsmeisterschaften 1999 in Appenzell. Weil im zweiten Durchgang die Geräteriege besser war als der TV, musste der Leiter allen Kindern den versprochenen Coup bezahlen.

Ebenfalls in diesem Jahr fand die kantonale DV in Waldstatt statt. Mit der etwas ausgebauten Recknummer und einer 3-holmigen Stufenbarrenübung inkl. Säntisbähnli konnten wir das Publikum so begeistern, dass uns von einer Person 200 Fr. gleich nach der Vorführung 200.- geschenkt wurde!

Auf das Milleniumsjahr wurde das Alter noch einmal herabgesetzt, so dass nun 31 Kinder mitturnen. Das bedingte natürlich mehr Trainingszeit in der Halle. Nach zähen Verhandlungen steht uns am Freitag jetzt die Halle während 3 Stunden zur Verfügung.

Das Glück war und ist dem Leiter hold, fand er doch an einem kantonalen Anlass eine hübsche und turnbegeisterte Partnerin. Diese begann sofort im Training mitzuhelfen und ermöglichte so eine Doppellektion am Freitag. Die turnerischen Erfolge liessen nicht lange auf sich warten, so durften wir erstmals einen kantonalen Jugendmeister feiern. Doch auch am Jugend-Challenge standen wir ganz zuoberst, obwohl wir nur wenig Zeit zum Üben hatten.

Doch das absolute Highlight war die Unterhaltung, wo wir mit ungewöhnlichen Geräten und Hilfsmittel alle Zuschauer begeistern konnten. Herzliche Gratulation an alle Kinder, denn mit soviel Einsatz, Ausdauer und Freude habt ihr alle mitgemacht und so diesen Erfolg ermöglicht. Danke