«Es rollt»

Appenzellerzeitung 4. Januar 2006

Stefan Roth ist ein begeisterter Turner: Der Waldstätter hat vor 15 Jahren die «Getu Waldstatt» ins Leben gerufen und ist noch heute als Leiter dabei.

 

waldstatt.
Turnen spielt eine wichtige Rolle in Stefan Roths Leben: Er war aktiver Turner, hat die Geräteriege Waldstatt gegründet und aufgebaut und schliesslich über den Turnverein seine Frau Priska kennen gelernt. Heute versucht sich bereits seine kleine Tochter Natalie auf dem Rhönrad.

corina hugentobler

Wie er ursprünglich zum Geräteturnen kam, kann Stefan Roth gar nicht genau sagen. Weder kommt er aus einer «Turnerfamilie», noch hat er früh mit Turnen angefangen. Zwar spielte Sport für ihn schon immer eine wichtige Rolle, doch das Turnen entdeckte Stefan Roth erst als ungefähr 17-Jähriger. «Was mir daran gefiel, war vor allem, dass ich im Unterschied zu Mannschaftssportarten ganz alleine verantwortlich war für Erfolg oder Misserfolg», so der 34-Jährige.

«Getu» mit Besonderheiten

Vor 15 Jahren entstand aus einem Auftritt am Unterhaltungsabend des TV Waldstatt die Idee, die ad hoc zusammengestellte Gruppe als freie Geräteriege weiterzuführen. «Es sollte keine Konkurrenz zur Jugi sein, sondern vor allem für Jugendliche zwischen Jugi und Turnverein», erinnert sich Stefan Roth. Auch wenn er mit seiner Idee nicht überall auf offene Ohren stiess - er liess sich nicht beirren. «Wir mussten geduldig sein», sagt er. Heute, 15 Jahre später, turnen rund 50 Kinder und Jugendliche in der «Getu Waldstatt», die mittlerweile offiziell als Riege des TV Waldstatt gilt und mit einem Sitz im Vorstand vertreten ist. Der Schwerpunkt liegt ganz bewusst beim Geräteturnen - wie es der Name ja schon sagt. «Wir sind da relativ stur, wenn man es so nennen will. Zum Beispiel spielen wir nur sehr selten», sagt Stefan Roth. Eine Besonderheit der «Getu Waldstatt» ist seit fünf Jahren auch das Rhönrad. «Ein faszinierendes Gerät», findet der Getu-Gründer. Gerade letzten Herbst kamen drei von vier Waldstätter Turnern mit einer Auszeichnung von einem Rhönrad-Wettkampf zurück. Das freut Stefan Roth: «Es ist natürlich toll, wenn man vorne mit dabei ist», sagt er. Doch für ihn zählt eigentlich etwas ganz anderes: Hauptsache ist die Freude am Turnen. Eine «komische Einstellung» habe er diesbezüglich, lacht er. Nach seiner Philosophie ist ein Wettkampf nicht mehr als ein Mittel zum Zweck - der Ansporn fürs Training. «Heutzutage ist man ohnehin von allen Seiten unter Druck: in der Schule, im Beruf, überall soll man gut sein», sagt Stefan Roth. Darum soll das Turnen vor allem Spass machen. Zu dieser Einstellung passt auch, dass der 34-Jährige als Höhepunkte in der Geschichte der «Getu» die Abendunterhaltungen nennt. «Denn da gewinnen alle; da kommt es nicht auf Punkte an», sagt er. Ein Grossereignis dieser Kategorie steht im Sommer 2007 an: Dann findet in Dornbirn die Weltgymnaestrada statt, ein wöchiges Turnfest mit 45 teilnehmenden Nationen. Obwohl er dafür von vielen belächelt wurde, meldete Stefan Roth die Waldstätter Getu, verstärkt von anderen Hinterländer Turnern, als «Getu Appenzeller Hinterland» für den Schweizer Abend an - und wurde prompt aufgenommen. «Das wird für mich als Leiter der absolute Höhepunkt», freut er sich.

«Ein Spagat»

Neben sportlichen Höhepunkten gibt es in Stefan Roths Leben natürlich auch anderes, wichtigeres - doch auch das hat in gewissem Sinne Verbindungen zum Sport. Seine Frau Priska zum Beispiel hat Stefan Roth während einer Rhönrad-Ausbildung kennen gelernt. Sie ist noch heute in der «Getu», vor allem im Bereich Rhönrad tätig. «Das erleichtert mir den Spagat zwischen Familie, Verein und Beruf», sagt der selb-ständige Zimmermeister. Auch seine kleine Tochter Natalie ist bereits begeisterte Turnerin und versucht sich an ihrem neuen, massgeschreinerten Rhönrad - natürlich immer unter der Aufsicht ihrer Eltern.
«Es rollt», schmunzelt Stefan Roth, und meint damit nicht nur das Rhönrad.