Weitere 3 Jahre Getu
Waldstatt
(Ergänzung zu 10 Jahr Jubiläum,
2003
)
Im Jahre 2000 wagten wir uns an
der Abendunterhaltung des Turnvereins unter dem Motto „Faszination
Säntis“ an zwei völlig neue Geräte. Zum einen fertigten wir selber eine
20 m2 grosse Kletterwand an, befestigten diese mit Einverständnis mit
dem Abwart an der Bühnenwand, und kombinierten diese mit konventionellem
Barrenturnen der Knaben. Freeclimbing hiess die Nummer und jedes Mal
wurde eine Zugabe verlangt. Den selben Erfolg konnten die Mädchen mit „Schneeflöckli
auf dem Säntis“ feiern, denn diese wirbelten an gemieteten Rhönrädern
über die Bühne.
Diese Erfolge und die grosse
Begeisterung vor allem der Mädchen für das Rhönradturnen bewog uns dazu
selber solche Geräte anzuschaffen. Dank den J+S Geldern konnten wir
diese Auslage gut verkraften und freuten uns schon bald auf das Training
in den eigenen Rädern. Natürlich versuchten wir unser Glück schon bald
an einem Rhönrad-Gruppenwettkampf, aber mit 19 Turnerinnen eine Übung
mit nur gerade 4 Rädern einzuüben war fast unmöglich, denn am Wettkampf
turnten wir an deren 7. Doch seit diesem Jahr galt für unsere Riege
immer: alles......., ausser gewöhnlich.
Natürlich waren auch die
Einzelwettkämpfe immer wieder durch uns besucht worden, jedoch weiterhin
mit mässigem Medaillenerfolgen. Dafür weinten wir nicht wie andere
Kinder, wenn uns einmal eine Übung misslang, sondern freuten uns über
die lustige Stimmung in der Gruppe.
Doch auch Gruppenvorführungen am
Kantonalturnfest in Teufen und am 2. Jugendchallenge gehörten ins
Jahresprogramm, wobei mit 30 Kindern an 2 Barren und 2 Stufenbarren und
am Boden geturnt wurde.
Da im Sommer 01 unsere
Belgischen Turnfreunde auf Besuch weilten, organisierten wir zum ersten
Mal die Turngala Waldstatt. Verschiedene Vereine aus der Umgebung, der
Turnverein und das Geräteturnen Waldstatt selber und natürlich die
Belgier sorgten für ein Turnspektakel besonderer Art unter freiem
Himmel. Rund 700 Zuschauer verfolgten die abwechslungsreichen
Vorführungen. Seither hat dieser Anlass einen festen Platz in unserem
Jahresprogramm
Auf das Jahr 2002 senkten wir
das Einstiegsalter nun auf 7 Jahre. Damit erhöhte sich die
Mitgliederzahl auf rund 50 Turnende. Dank der Mithilfe einiger Eltern
mangelte es nicht an Leitern, jedoch am Platz. Nachdem wir mit der Jugi
verhandelt hatten, konnten wir nun auch am Dienstagabend ein Training
anbieten, wobei einmal im Monat in die grosse Halle gewechselt werden
musste. Das Problem war jedoch, dass in dieser Halle zwar alle
Verankerungen und Aufhängungspunkte für Geräte vorhanden waren, nicht
aber die Geräte selber. Mit Occasionsbarren und –Reckstangen richteten
wir die Spielhalle langsam auf eigene Kosten mit Geräten ein. Ebenfalls
konnten wir mit der Schule einen Deal aushandeln. Wir vom Geräteturnen
montieren die Kletterwand in der Turnhalle und die Schule organisiert
Gurten, Seile und Griffe. Als dieser Vorschlag durch allen Mühlen der
Gemeinde gelangt war erhielten wir dafür grünes Licht und seither
erfreut sich die Schulhausturnhalle einer kleinen Kletterwand sogar mit
Überhängli.
Im März machten wir mit unseren
Teenagern und einigen TV- Mitgliedern einen Gegenbesuch in Belgien. Mit
Komik und Tanzgymnastik unterhielten wir das belgische Publikum, das
unsere Art von Turnen nicht kennt und so jedes Mal davon begeistert ist.
Zum ersten Mal versuchten wir
eine Gerätevorführung an den Schaukelringen, um am Eidgenössischen
Turnfest mitmachen zu können. Trotz grosser Bedenken einiger
Turnvereinsmitglieder über die Verantwortung der noch zu jungen
Turnerinnen und Turnern an einem solchen Anlass, konnten wir mit genauen
Abmachungen und Regeln ein sehr schönes Fest erleben.
Auch mit den Rhönrädern übten
wir fleissig für das Turnfest, deshalb entschlossen wir uns weitere 3 zu
kaufen, damit alle Körpergrössen in ein Rad passten. Trotz des letzten
Schlussranges hatte wir unseren Spass, wurden doch einige von uns vom
Fernsehen über das Rhönradturnen befragt. Leider wurden schlussendlich
nur die Schuhe und die Hände einer Turnerin gezeigt, aber immerhin.
Nach den üblichen
Einzelwettkämpfen mit immer den gleichen Erfolgen wie in den Vorjahren,
trainierten wir voller Elan auf die kommende Abendunterhaltung. Das
Motto „Expo-Life“ stellte uns vor grosse Herausforderungen. Mit den
Kleinsten turnten wir an drei Trapezen und an selbst gemachten Schaukeln
ein Turneinander. Magie de l’energie präsentierte den Zuschauern mit
Rhönrädern die Transformation von Wasser zu Strom und Energie, während
zuerst die grösseren Turnerinnen und Turnern mit Cyberacrobatik das
Publikum auf dem Federboden und auf einem speziellem Podest
begeisterten, zauberten wir auf das Finale hin nochmals 25 Kinder auf
die Bühne, um zusammen (Total 54) eine riesige Menschentorte aufzubauen.
Wiederum ernteten wir viel Lob und auch die Zeitung hielt nicht mit
Superlativen zurück. Der Beweis, dass jedes Kind Geräteturnen kann, es
muss nur Freude daran haben, hat sich mit dieser Unterhaltung gezeigt.
Die Freude der Kinder sprang auf das Publikum über und sogar der Ansager
konnte seine Emotionen nicht mehr zurückhalten und musste einige Tränen
wegputzen.
Dieser Erfolg brachte uns wieder
einige neue Mitglieder fürs neue Jahr. Auch im 2003 hatten wir ein
gedrängtes Programm. Doch als einen der Höhepunkte war sicher wieder die
Reise nach Belgien, die wir nun schon zum sechsten Mal machten, zum
dritten mal auch mit Kindern aus dem Getu. Die Barren, Stufenbarren und
Rhönradvorführung gefiel dem belgischen Publikum wiederum sehr und wir
freuten uns auf den erneuten Gegenbesuch des Turnclub Olympia Merelbeke
in Waldstatt. Leider mussten wir zum ersten Mal die Turngala in der
Halle durchführen, doch dank den Belgiern und weiteren Gastvereinen
wurde es wieder ein riesiger Erfolg und die Halle platzte beinahe aus
allen Nähten.
Ein weiterer Höhepunkt im
wahrsten Sinne des Wortes war der Auftritt auf dem Säntisgipfel.
Zusammen mit den Belgiern schleppten wir Matten und Rhönräder mit der
Säntisbahn auf den Gipfel, um den dort anwesenden Wanderern unsere
Turnkunst zu zeigen. Trotz leichtem Schneefall im Sommer machten wir
auch eine leicht verkleinerte Menschentorte auf der obersten
Aussichtsplattform.
Mit einer Schaukelring- und
Rhönradvorführung am Jugendchallenge verteidigten wir unseren Titel der
Vorjahre erfolgreich. Gruppenwettkämpfe scheinen eher unsere Stärken zu
sein als die Einzelwettkämpfe.
Im neuen Jahr wurden wir nun
fast überrannt, denn insgesamt 16 neue Turnerinnen und Turner wollen bei
uns mitturnen. Damit ist die Kapazitätsgrenze mit knapp 40 Kindern in
einem Training überschritten und wir müssen uns mit neuen
Trainingszeiten weiterhelfen. Total turnen nun 68 aktiv in den
verschiedenen Abteilungen mit.
11.02.2004 Stefan Roth
Facts und Anderes
Schon in
den Jahren 1987-1990 wurde vermehrt in der Jugi Geräteturnen gepflegt.
So starteten auch einige an den kantonalen Wettkämpfen, doch ein
regelmässiges Training fand nicht statt.
Auf die AUH
1990 wurde mit den ältesten Jugendrieglern, die eigentlich schon zum
Teil in den Turnverein übergetreten waren, eine Nummer einstudiert. Da
ein Training allein nicht genügte, begann man auch ab und zu am Sonntag
zu Turnen. Es auch nötig, wie der anschliessende Film zeigt. Mit dieser
Nummer hatten wir erstaunlicherweise viel Erfolg, obwohl der Leiter an
der Hauptprobe von verschiedenen Leiterkollegen scharf kritisiert wurde.
Nach der
AUH wurde der Wunsch laut das bereits Erlernte noch ein wenig zu
vertiefen. Aber der Oberguru musste im Februar 91 ins Militär einrücken,
und so konnte nur noch am Sonntagabend von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr
trainiert werden. Der damalige TV Präsident Walter Tanner war besorgt,
dass wir in die Halle durften und als Gegenleistung fabrizierte ich
Werbetafeln für den Maskenball. Doch schon nach der ersten Turnstunde
mussten wir unseren Abwart Herrn Züst beruhigen, denn er hat gesehen,
wie wir Schuhe in der Halle herumwarfen. Es waren so blaue
Strandschlarpen, aber was soll’s. Es gab dann ab und zu noch weitere
kleine Differenzen mit ihm.
In den
ersten Jahren wurden genaue Zeitpläne erstellt, wer das Einturnen macht
und welche Gruppe an welchem Gerät turnt. Zusammen mit Schönengrund und
Stein bildeten wir eine Regionale Trainingsgemeinschaft für
Geräteturner.
Unsere
Erfolge an Wettkämpfen waren sehr bescheiden. Konnten wir einmal einen
ersten Rang feiern, dann nur, weil in dieser Kategorie nur Waldstätter
starteten. Das hielt uns aber nicht davon ab, einen eigenen Trainer und
Dress anzuschaffen, was den Verantwortlichen des Turnvereins nicht sehr
gefiel.
Leider
konnte der Leiter in den Anfängen nur männliche Turner motivieren, was
sich dann aber auf die AUH 1992 änderte. Mit Schleuderbrett und
Federboden wirbelten wir durch die Luft. Vom Turnverein wurden jedoch
sofort Stimmen laut, im Geräteturnen seien Personen, die nicht im
Turnverein Mitglieder sind, diese dürften nicht an der Unterhaltung
mitmachen. Nach einer kurzen, hitzigen Aussprache mit dem
verantwortlichen Leiter, wurde das Problem dann gelöst.
Zwei Jahre
später turnte wieder ein reines Männerteam am Reck. „Reck bist du
wahnsinnig, wer übernimmt die Verantwortung?“ und so weiter war der
Tenor unter anderen Leitern. Trotz diesen massiven
Einschüchterungsversuchen gab der damals noch junge Leiter nicht auf und
schaffte das scheinbar unmögliche mit einer gewaltigen Konstruktion
unter der Bühne. Das war übrigens das letzte mal, dass eine derartige
Idee so in Frage gestellt wurde. Von nun an kam höchstens noch die
Frage:“ Wie willst du das machen?“ Doch die Antwort lautete immer:“ Lass
das meine Sorge sein, das geht dann schon irgendwie.“ und so war und ist
es bis heute.
Damit in
der Riege wieder etwas frischer Wind blies, wurde das Eintrittsalter auf
13 Jahre gesenkt. Schon damals waren Leiter knapp, so war es auch nicht
möglich noch jüngere Turner aufzunehmen.
An der AUH
1996 zeigten 11 Turnerinnen und Turner am Stufenbarren, Reck, Barren und
Boden eine originelle Übung im neuen Dress.
Das
Wettkampfglück war uns weiterhin nicht sehr hold, trotzdem wurde der
Trainer nicht entlassen. Mit verschiedenen Leiterinnen wurde versucht,
den weiblichen Mitgliedern eine solide Grundlage zu geben, doch entweder
wurden sie von den Turnerinnen nicht hinausgeekelt, oder der Leiter
trennte sich wieder von ihr. Zum Glück dachten einige manchmal.
Um den
Wettkampferfolg endlich zu erreichen, wurde das Eintrittsalter wieder
einmal gesenkt, so das auch 9 jährige ins Training durften. Sogar
auswärtige starteten neu unter unserem Namen. So erreichten wir doch
plötzlich vereinzelte Podestplätze.
Mit einer
stolzen Zahl von 28 Turnerinnen und Turnern nahmen wir die AUH 1998 in
Angriff. Wieder einmal war Reck an der Reihe, nur diesmal 4 statt nur
eine Stange und ein absolutes Novum: Schaukelringe auf der Bühne.
Baulich war dies eine kleine Herausforderung, doch pünktlich auf die
Hauptprobe waren alle Geräte installiert.
Durch die
Fusion der Damenriege und des Turnvereins 1998, wurde das Geräteturnen
offiziell dem Turnverein angeschlossen und erhielt den gleichen Status
wie die Jugendriege. Ebenfalls wurde neu auch am Freitag und nicht nur
am Sonntagabend geturnt. Sogar das Leiterproblem wurde dank Mithilfe von
Eltern stark entschärft.
Neuland
betraten wir mit einer Gruppenvorführung von 18 Kindern an den
kantonalen Vereinsmeisterschaften 1999 in Appenzell. Weil im zweiten
Durchgang die Geräteriege besser war als der TV, musste der Leiter allen
Kindern den versprochenen Coup bezahlen.
Ebenfalls
in diesem Jahr fand die kantonale DV in Waldstatt statt. Mit der etwas
ausgebauten Recknummer und einer 3-holmigen Stufenbarrenübung inkl.
Säntisbähnli konnten wir das Publikum so begeistern, dass uns von einer
Person 200 Fr. gleich nach der Vorführung 200.- geschenkt wurde!
Auf das
Milleniumsjahr wurde das Alter noch einmal herabgesetzt, so dass nun 31
Kinder mitturnen. Das bedingte natürlich mehr Trainingszeit in der
Halle. Nach zähen Verhandlungen steht uns am Freitag jetzt die Halle
während 3 Stunden zur Verfügung.
Das Glück
war und ist dem Leiter hold, fand er doch an einem kantonalen Anlass
eine hübsche und turnbegeisterte Partnerin. Diese begann sofort im
Training mitzuhelfen und ermöglichte so eine Doppellektion am Freitag.
Die turnerischen Erfolge liessen nicht lange auf sich warten, so durften
wir erstmals einen kantonalen Jugendmeister feiern. Doch auch am
Jugend-Challenge standen wir ganz zuoberst, obwohl wir nur wenig Zeit
zum Üben hatten.
Doch das
absolute Highlight war die Unterhaltung, wo wir mit ungewöhnlichen
Geräten und Hilfsmittel alle Zuschauer begeistern konnten. Herzliche
Gratulation an alle Kinder, denn mit soviel Einsatz, Ausdauer und Freude
habt ihr alle mitgemacht und so diesen Erfolg ermöglicht. Danke
Als
Abschluss möchte ich noch auf einen kleinen Spruch eingehen, der schon
einige Zeit in meinem Büro hängt.
Albert
Einstein schrieb da:
Das Schönste, was es in der Welt gibt,
ist ein leuchtendes Gesicht.
Für mich
stimmt das nicht ganz, denn noch schöner sind viele leuchtende und
strahlende Gesichter.
08.12.2000
Stefan Roth